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Zitate
Quartett

Das NEUE Quartett-Spiel
Ein kurzer Abriss über die Geschichte des Zitate Quartetts.

Im Biedermeier, vermutlich, geriet
Literatur erstmals auf Spielkarten. "Szenen aus der Literatur" heißt ein Kartenspiel mit 52 Blatt, das 1834 in Wien bei J.G. Uffenheimer erschien. Die Zahlenkarten zeigen in schablonen- und handkolorierten Kupferstichen Motive der deutschen Literatur.

Es dauerte noch ca. 50 Jahre länger, bis das Quartettspiel mit seinem absichtsvoll lehrreichen Nutzen in die Wohnstuben der Bürgergesellschaft Einzug hielt. Vor allem um den Kindern
spielend kulturelle Werte zu vermitteln, entstand im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts das Dichterquartett und Zitate Quartett.

Das erste deutsche Dichterquartett, das sich recherchieren ließ, kam 1879 in Neuwied im Louis Heuser Verlag heraus, wurde 1880 vom Leipziger Gustav Weigel Verlag übernommen und hieß "Die Litteraturgeschichte im Spiel".

Bei etlichen Autoren finden sich mehr oder weniger sentimentale Erinnerungen an das Dichterquartett der Kinderzeit- sogar bei zwei Literaturnobelpreisträgern.

Elias Canetti schreibt in seiner Autobiographie: "Hans, sein Bruder, war ein kluger Junge, es war ein Vergnügen, mit ihm 'Dichterquartett' zu spielen. Nuni, die jüngste, hielt mit, obwohl ihr diese Zitate noch nichts bedeuten konnten, während Hans und ich darin schwelgten. Wir warfen uns die Zitate nur so an den Kopf, wir kannten sie auswendig, wenn einer von uns mit dem ersten Wort begann, ergänzte der andere blitzrasch den Rest. Keiner kam je mit einem Zitat zu Ende, es war Ehrensache für den anderen, dazwischenzufahren und es zu Ende zu sagen. 'Die Stätte, die ...' 'ein guter Mensch betrat, ist eingeweiht.' 'Gott hilft...' 'jedem, der sich von Gott will helfen lassen.' 'Ein edler...' 'Mensch zieht edle Menschen an.' Das war unser eigentliches Spiel, da wir beide gleich rasch ratschten, gewann in diesem Wettbewerb keiner, eine Freundschaft entstand, die sich auf Respekt gründete, und nur wenn das Dichterquartett absolviert war, durften wir uns anderen Quartetten und Spielen zuwenden. Hans war dabei, wenn seine Mutter Literaturkenner bewunderte, und hatte es sich angewöhnt, so rasch wie diese zu sprechen." (1)

Hermann Hesse bezieht sich in der Einleitung zum "Glasperlenspiel" auf das Dichterquartett: "Bei diesem Spiel hatten je vier Karten mit dem Namen eines Dichters und seiner bekanntesten Werke ein Quartett gebildet, man hatte z. B. beim Verteilen eine Karte mit dem Bildnis Schillers und dem 'Tell' erhalten, und mußte nun dazu womöglich die drei andern Schiller-Karten mit den 'Räubern', dem 'Wallenstein' und der 'Maria Stuart' zu erlangen suchen: gelang dies, so war ein Quartett vollzählig, wurde abgelegt und zählte für den Gewinner einen Punkt." (2)

Klaus Mann weiß zu berichten: "Wie wunderbar wir gespielt haben! Mit den Puppen war mehr anzufangen, als mit dem Dichter- und Komponistenquartett, dem 'Villanor'- Baukasten, den Mühlesteinen oder der Eisenbahn. Beim Dichterquartett konnte man freilich, danach gefragt, ob man Schillers 'Jungfrau von Orleans' vorrätig habe, mit feinstem Spott antworten: 'Bedaure ganz außerordentlich, aber vielleicht kannst Du mir mit Grillparzers 'Medea' aufwarten!'" (3)

1) Canetti, Elias: Die gerettete Zunge. Geschichte einer Jugend. Frankfurt am Main: S. Fischer TB 2083, 1983, S.135f.

2) Hesse, Hermann: Von Wesen und Herkunft des Glasperlenspiels: Die vier Fassungen der Einleitung zum Glasperlenspiel. Hrsg. von Volker Michels. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1977, S.47f.

3) Mann, Klaus: Kind dieser Zeit. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt TB 946, 1967, S.18